Barcelona für vier Monate

Barcelona für vier Monate

Dienstag, 31. Dezember 2024

Hacer cosas nuevas – oder: Was ich schon immer mal (oder noch nie) machen wollte

Totgesagte leben länger – hoffe, das gilt auch für meinen Blog … der unter anderem mit und nach Corona auch eine längere Pause gemacht hat. Nach 6 Jahren ist es definitiv mal Zeit, ihn zu reanimieren. Und wann wäre die beste Gelegenheit dafür, wenn nicht kurz vor Jahresbeginn? Da es nicht nur für potenzielle Leser*innen langweilig ist, immer über die gleichen Partys, Ausflüge, Unternehmungen zu lesen, hieß mein Motto dieses Jahr „Hacer cosas nuevas“ – also Neues entdecken, „Barcelona Reload“ sozusagen;-).

Zum Stadtteilfest Festa Major del Poble-sec werden Straßen und Plätze bunt herausgeputzt

Eine Gewohnheit jedoch, von der ich (fast) nicht abweiche, ist Wohnen in Poble-sec (oder ausnahmsweise in Sant Antoni). Zwar wird das zwischen dem Hausberg Montjuïc und der Avinguda del Paral·lel (eine der am stärksten befahrenen, längsten Straßen im Zentrum) gelegene Viertel auch immer mehr von Touristen bevölkert, ist im Vergleich zu Barri Gótic, El Born oder Raval aber noch recht entspannt. Und wird inzwischen auch bei Studenten und Expats als Wohnraum immer beliebter, das merkt man spätestens, wenn man ein WG-Zimmer sucht. Ich hatte jedoch Glück, dass ich etwas in der Nähe der Plaça de las Navas gefunden habe.

Ausblicke in riesige Hinterhöfe (Patios) wie von meinem Balkon aus sind in Barcelona gang und gäbe

Neue Erfahrungen – und Widrigkeiten

Um das angesprochene Motto in die Tat um zusetzen (und für die Motivation), habe ich mir gleich zu Beginn eine Bucketlist erstellt: Kurztrips, Rooftop-Flohmarkt in der Nachbarschaft, Sport am Strand etcetc. Doch erstens kommt es anders und zweitens … Zumindest durch die ersten beiden Punkte hat mir ein positives Corona-Ergebnis gründlich einen Strich gemacht – sowohl Rooftop als auch Cadaqués (beides an einem Wochenende) gecancelt;-).

Mobilität als Lebensgefühl „barcelonés“

Barcelona ist eine Stadt, die immer in Bewegung ist – und es ist sicher kein Fehler, sich dem anzupassen. Mit dem Mietfahrrad kommt man entspannt an den etwas weiter außerhalb (in Richtung Badalona) gelegenen Strand von Bogatell, der zwar immer noch sehr gut besucht ist (vor allem am Wochenende), aber zumindest findet man noch ein Plätzchen. Und das Wasser ist meist auch etwas sauberer als direkt in der Stadt. Mit dem Bus dauert es eine ganze Weile bis dorthin, mit Metro ist der Umsteigepunkt Passeig de Gracià wegen seines ewig langen, im Sommer unerträglich heißen Korridors mit niedriger Decke, der die grüne und die gelbe Linie verbindet, für mich zu vermeiden. Daher ist das Fahrrad eine gute Alternative. An dieser Stelle kann ich für kurze Aufenthalte auf alle Fälle Swapfiets empfehlen. Für einen Monat zahlt man (je nach Rad und Ausstattung) um die 40 Euro, inkl. guten Schlössern und Diebstahlversicherung – und das ist in Barcelona nicht zu unterschätzen. 

Passend zum Thema Bewegung: Das erste Mal Calistenia (Freiluftsport an Stangen), am Strand natürlich besonders attraktiv (auch wenn ich mich bei den ganzen – vorwiegend männlichen – gestählten Sportlern um die Zwanzig etwas fehl am Platze fühlte:D). 

Und dann kommt es anders … Teil 2

Neben meiner Corona-Infektion, die mir einen Strich durch den einen oder anderen Plan gemacht hat, gab es auch andere (kleinere) Überraschungen. So  bin ich dieses Mal im wahrsten Sinne des Wortes „auf den Hund gekommen“. Eine Freundin hatte nach einem Kurztrip ihren Flieger zurück aus UK verpasst, kam erst nachts an und musste einen Ersatz für ihre Dogsitterin in Barcelona finden. Was zunächst als Abendbeschäftigung gedacht war, wurde dann (aufgrund widriger Umstände) zu einer 20stündigen Betreuung. Zum Glück war mein in mancher Hinsicht etwas penibler Mitbewohner nicht zuhause, sodass ich die Hündin in mein Zimmer schmuggeln konnte. Nach einer recht kurzen Nacht hat sie dann offensichtlich den morgendlichen Ausflug zum Montjuïc genossen. Naja, ohne Hund ist man sowieso noch nicht richtig in Barcelona angekommen, habe ich manchmal den Eindruck, bei den zahlreichen Vierbeinern, die hier rumlaufen. And she was a real sweetheart.

Die schönsten (und verborgenen) Seiten des Montjuïc

Das kommende Wochenende war umso entspannter: Besuch im aus der Zeit gefallenen Club Natació Montjuïc: Etwas dekadente 21 Euro Eintritt (in Barcelona sind Freibäder tendenziell um einiges teuer als in Deutschland, weil es 1) weniger gibt und 2) man ja schließlich das Meer vor der Haustür hat). Aber es ist schön ruhig, man kann seine 50-Meter-Bahnen schwimmen und muss nicht ständig seine Sachen wie ein Luchs bewachen (oder wildfremde Menschen darum bitten).

Einer der zahlreichen Gärten des Montjuïc - mit Silberreiher

Zum Abschluss dann eine kurze Fahrt mit dem Mofa (auch das ein Barcelona-Must, das ich noch nie ausprobiert hatte) und zum Lieblingskiosk-Café mit den besten Aussichten auf die Stadt. Womöglich hatte ich es in dem einen oder anderen Blogbeitrag schon mal erwähnt;-).

Routine und Veränderung: Costa Brava

Last but not least: Ein Kurztrip an die Costa Brava, genauer gesagt nach Tossa de Mar, ist bereits liebgewordene Tradition bei meinen Barcelona-Aufenthalten. Allerdings dieses Jahr erstmal mit einem Abstecher an den mondänen Badeort S’Agaró – inspiriert von einer Ausstellung zum 100. Jubiläum im städtischen Museum Palau Robert (Eintritt frei) über die Architektur der Gartenstadt an der Costa Brava und das progressive Konzept dahinter. Von Tossa ist man jedenfalls mit dem Bus innerhalb von zwischen 40 Minuten und einer Stunde dort.

Abgesehen von dem empfehlenswerten Küstenwanderweg „Camí de Ronda“, der Portbou südlich der französischen Grenze und Blanes über fast 120 km an der Küste entlang führt (immer mit Blick auf Felsen und Meer, aber auch für nicht übermäßig geübte Wanderer geeignet), atmet S’Agaró immer noch ein wenig Mondänität vergangener Zeiten. Sei es beim Anblick des legendären Luxushotels Hostal de La Gavina (oder einfach nur „La Gavina“), eröffnet am 2. Januar 1932, wo einst Ava Gardner beim Dreh von PANDORA UND DER FLIEGENDE HOLLÄNDER (Originaltitel: PANDORA AND THE FLYING DUTCHMAN – gefilmt in Tossa, wo immer noch die Statue Ava Gardners als Pandora steht) oder Salvador Dalí als Stammgast abgestiegen sind. 

 

Ein Stück Camí de Ronda, von S'Agaró aus gesehen

Oder der Geschichten drumherum, wie z. B. dass Ava Gardner einen heftigen Disput mit Frank Sinatra hatte, der eifersüchtig auf ihre Affäre mit einem Torero war. Oder einfach nur wegen der atemberaubenden Ausblicke vom Felsen auf türkisblaues Wasser und schön gelegener Strandbars. Eines ist klar: Die Gegend ist wesentlich weniger touristisch bevölkert als andere Orte an der Costa Brava oder in der Gegend um Barcelona.

Eine Tradition gab es dann doch bei diesem Ausflug an die Costa Brava: Die Unterkunft Hostal Cruz, einfach bestes Preis-Leistungsverhältnis, superfreundlicher Service und der schönste Frühstücksgarten, den man sich vorstellen kann!

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